1. Warum dieser Artikel existiert
Die deutsche Verlagslandschaft durchlebt den tiefgreifendsten Strukturwandel ihrer Geschichte. Was in den Anfängen der Digitalisierung als symbiotischer Pakt zwischen Suchmaschinen, sozialen Netzwerken und Inhaltsproduzenten begann, hat sich zu einem hochkomplexen Ökosystem entwickelt — geprägt von asymmetrischen Machtverhältnissen, technologischer Disruption und einem fundamentalen Wandel der Aufmerksamkeitsökonomie.
Zwischen 2018 und 2026 haben sich die Koordinaten des Geschäftsmodells von Verlagshäusern in nahezu jeder Dimension verschoben: Organische Reichweiten erodieren, Werbeerlöse fließen zunehmend an Tech-Plattformen, Künstliche Intelligenz beantwortet Nutzerfragen direkt in der Suchmaschine, und regulatorische Hürden machen selbst die Ausspielung einfacher Werbebanner zum technologischen Spießrutenlauf.
Gleichzeitig erwarten Werbekunden von ihren regionalen Verlagspartnern mehr denn je: kanalübergreifende Kampagnen, digitale Formate jenseits des eigenen Inventars und messbare Ergebnisse. Wer als Verlag nur Print und die eigene Website anbieten kann, verliert Budgets — an Agenturen, an überregionale Anbieter, an Tech-Plattformen.
Dieser Artikel analysiert die zentralen Problemfelder datengestützt und zeigt auf, wo Verlagshäuser heute stehen — und welche konkreten Hebel es gibt, um die eigene Position zu stärken.
2. Traffic-Erosion — Wohin die Reichweite verschwindet
Die Jahre 2018 bis 2021 waren durch ein stetiges, phasenweise stark krisen- und ereignisgetriebenes Reichweitenwachstum für journalistische Angebote gekennzeichnet. Die Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (AGOF) verzeichnete historische Höchststände bei der Nutzung digitaler Nachrichtenportale.[1] Dieses Wachstum war nicht primär das Resultat verbesserter Distributionsstrategien, sondern resultierte aus einem extrinsischen Informationsbedürfnis der Bevölkerung — Pandemie, Bundestagswahl, geopolitische Krisen.[2]
SPIEGEL ONLINE erreichte im September 2021 eine historische Gesamtreichweite von 22,49 Millionen Unique Usern. Am Wahltag und dem Folgetag allein besuchten 7,69 Millionen Nutzer das Angebot — eine Verdopplung gegenüber regulären Tagen.[3] Solche Spitzenwerte boten Werbekunden hochgradig vertrauenswürdige Umfelder.
Seit 2022 normalisiert sich der Traffic quantitativ — doch qualitativ hat sich seine Herkunft auf drastische Weise verändert.
2.1 Google AI & das Zero-Click-Phänomen
Der gravierendste Einschnitt in die Traffic-Modelle der Publisher manifestiert sich durch die tiefe Integration von generativer KI in die Google-Suche.[15] Jahrzehntelang funktionierte der Pakt: Verlage stellten Inhalte bereit, Google indizierte sie und leitete Suchende als Traffic auf die Websites. Mit Large Language Models wie Gemini 2.5 wandelt sich Google von einer Suchmaschine (Routing) zu einer Antwortmaschine (Answering).[15]
Die sogenannten "AI Overviews" (AIOs) liefern Zusammenfassungen direkt in den Suchergebnissen und befriedigen die Intention des Nutzers vollständig — ohne dass Klicks auf externe Quellen erforderlich sind.[15] Die SERP selbst wird zum finalen Zielort. Das Resultat: der "Zero-Click".
| Region / Gerätetyp | Zero-Click-Rate (Okt. 2025) | Veränderung YoY |
|---|---|---|
| Mobile (Global) | 77,2 % | + 4,0 % |
| Desktop (Global) | 46,5 % | + 2,0 % |
| EU / UK | 59,7 % | + 3,5 % |
| USA | 58,5 % | + 3,0 % |
Quelle: Zusammenstellung aus BrightEdge, Semrush, Ahrefs (Frühjahr 2025) [16]
Sobald ein AI Overview ausgespielt wird, kollabiert die durchschnittliche Click-Through-Rate (CTR) auf organische Links von 15 % auf lediglich 8 %.[16] BrightEdge dokumentiert die Paradoxie: Impressionen stiegen um 49 %, die CTR fiel gleichzeitig um 30 %.[15] Google beantwortet Fragen, statt Traffic durchzuleiten.
Mit Googles "Query Fan-Out-Technik" werden komplexe Anfragen im Hintergrund in Dutzende Unterthemen zerlegt.[15] Die KI führt hunderte automatische Suchanfragen aus, extrahiert Informationen dutzender Websites und synthetisiert einen fertigen Bericht — in Minuten. Die KI übernimmt das zeitaufwändige "Klicken und Lesen", das früher die Aufgabe des Nutzers war.
Für 2026 wird branchenübergreifend ein allgemeiner Verlust an Publisher-Traffic von 25 % prognostiziert.[15] Langfristiger rechnet das Reuters Institute mit einem Einbruch des Such-Traffics von über 40 % bis 2028.[17] 68 % der Websites kleiner und mittlerer Unternehmen verzeichnen bereits jetzt existenzbedrohende Verluste.[15]
Was das für Ihren Vertrieb bedeutet
Wenn organischer Traffic wegbricht, braucht der Vertrieb Kanäle, die nicht von Google abhängen. DOOH, Audio und Addressable TV generieren Reichweite außerhalb des Suchmaschinen-Ökosystems — und lassen sich über die channelextension-Plattform sofort anbieten.
2.2 Social-Media-Exodus
Parallel zum KI-Wandel in der Suche brachen traditionelle Referral-Quellen aus sozialen Netzwerken sukzessive ein.[5] Facebook, X (ehemals Twitter) und andere Plattformen haben erkannt, dass externe Link-Outs die Verweildauer im eigenen Ökosystem reduzieren — und passen ihre Algorithmen an, um journalistische Inhalte systematisch zu drosseln.[6]
Der Reuters Institute Digital News Report 2025 dokumentiert: 66 % der erwachsenen Internetnutzer in Deutschland konsumieren mindestens wöchentlich Nachrichten online.[9] Doch über welche Kanäle?
| Plattform | Generelle Nutzung (DE) | Nachrichtennutzung (DE) | Trend |
|---|---|---|---|
| 73 % | 15 % | → unverändert | |
| 42 % | 15 % | ↓ -1 % | |
| 37 % | 12 % | ↑ +1 % | |
| TikTok | 15 % | 5 % | → unverändert |
| X (Twitter) | 10 % | 5 % | → unverändert |
Quelle: Reuters Institute Digital News Report 2025, Leibniz-Institut für Medienforschung [11]
Bei den 18- bis 24-Jährigen ist Social Media für rund ein Drittel die wichtigste Nachrichtenquelle. 17 % dieser Kohorte kommen ausschließlich über soziale Netzwerke mit Nachrichten in Kontakt.[9] WhatsApp fungiert als "Dark Social"-Kanal, in dem Links privat geteilt werden — ohne messbare Herkunft für Publisher.
Als Ausgleich etablierte sich Google Discover als mächtiger, aber höchst volatiler Traffic-Treiber.[6][7] Der Traffic ist extrem impulsgetrieben; wird das kurze Zeitfenster maximaler Sichtbarkeit nicht genutzt, ist das Reichweitenpotenzial eines Artikels dauerhaft verloren.[8]
2.3 Die Creator Economy als Wettbewerber
Der Rückgang des Social-Traffics resultiert nicht nur aus algorithmischen Drosselungen, sondern auch aus der Aufmerksamkeitsverschiebung hin zu unabhängigen Akteuren.[13] YouTuber, TikToker und Podcaster erzielen Reichweiten, die die von großen Medienmarken oft übersteigen.
| Creator / Influencer | Plattformen & Follower (2025) |
|---|---|
| Herr Anwalt | TikTok: 7,2 Mio. / YouTube: 1,0 Mio. |
| Rezo | TikTok: 1,8 Mio. / YouTube: 1,6 Mio. |
| Alice Weidel | X: 1,2 Mio. / TikTok: 0,9 Mio. |
| Kolja Barghoorn | YouTube: 0,7 Mio. |
| Tim Kellner | YouTube: 0,6 Mio. / Instagram: 0,2 Mio. |
| Tilo Jung (Jung & Naiv) | YouTube: 0,6 Mio. / Instagram: 0,1 Mio. |
| Hoss and Hopf | YouTube: 0,4 Mio. / Instagram: 0,3 Mio. |
Quelle: Reuters Institute Digital News Report 2025 [14]
Mehr als die Hälfte der Befragten betrachtet Online-Influencer als große Bedrohung für die Verbreitung von Desinformation. Traditionelle Nachrichtenmedien werden nur von 24 % als bedrohlich wahrgenommen.[9] Das Vertrauen in etablierte Medien liegt stabil bei 45 %[9] — doch diese Vertrauensbasis konvertiert im digitalen Raum immer seltener in messbaren Traffic.
Vertrauen ist Kapital — aber es muss monetarisierbar sein
Verlage besitzen das, was Creator und Plattformen nicht haben: geprüfte Qualität und regionales Vertrauen. Mit einem erweiterten Kanal-Portfolio über channelextension kann Ihr Vertrieb dieses Vertrauen in konkrete Angebote übersetzen — auch jenseits des eigenen Online-Inventars.
3. Monetarisierungshürden — Was Werbeumsätze bremst
3.1 AdBlocker: Jeder vierte Seitenaufruf generiert null Umsatz
Nach Daten des Online-Vermarkterkreises (OVK) im BVDW lag die Adblock-Rate in Deutschland im zweiten Quartal 2024/2025 bei 24,45 %, im dritten Quartal minimal gesunken auf 23,71 %.[19] Das Niveau ist stabil — aber die Konsequenz ist permanent: Bei fast einem Viertel aller Desktop-Seitenaufrufe wird klassische Display-Werbung systematisch unterdrückt. Keine Impression, kein Umsatz.
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld. Länder wie Polen (32,5 %), Österreich (32,7 %) oder Serbien (35,2 %) weisen höhere Blockade-Raten auf.[21] Nichtsdestotrotz zwingt dieser permanente Inventarschwund Publisher, Erlöse überproportional in Kanäle zu steigern, die von AdBlockern nicht betroffen sind.
AdBlocker-immune Kanäle existieren
DOOH-Screens, Audio-Spots in Podcasts und Addressable TV sind von AdBlockern schlicht nicht betroffen. Über channelextension kann Ihr Vertrieb diese Kanäle sofort anbieten — ein konkretes Gegengewicht zum Display-Inventarverlust.
3.2 Consent-Raten & TCF v2.2: Das Nadelöhr der Wertschöpfungskette
Die Implementierung einer Consent Management Platform (CMP) ist für Publisher längst nicht mehr nur rechtliche Formalität — sie ist das entscheidende Nadelöhr der gesamten digitalen Wertschöpfungskette.[22]
Seit Januar 2024 verlangt Google zwingend den Einsatz einer zertifizierten CMP mit IAB TCF v2.2-Unterstützung.[24] Ohne übermittelte Einwilligung verarbeitet Google Nutzerdaten nicht für personalisierte Werbung und blockiert Remarketing-Listen.[25] Es wird lediglich niedrigpreisige kontextuelle Werbung ausgespielt. Da personalisierte eCPMs ein Vielfaches der kontextuellen Preise betragen, drohen bei Nicht-Compliance sofortige Umsatzeinbrüche.
| Region | Ø Consent-Rate (2026) |
|---|---|
| Osteuropa | 89,3 % |
| Britische Inseln | 87,3 % |
| Nordeuropa | 84,8 % |
| Südeuropa | 82,5 % |
| Westeuropa (inkl. DE) | 75,1 % |
Quelle: Didomi Consent Report 2026 [27]
Branchenspezifisch führen "Media & Publishers" mit einer überdurchschnittlichen Rate von 82,7 %[27] — nicht zuletzt dank des flächendeckenden Pur-Abo-Modells (Pay-or-Consent).[28] Nutzer stehen vor einer binären Wahl: umfassendem Tracking zustimmen oder ein werbefreies Abo abschließen. Die "No-Choice-Rate" (Banner weder akzeptiert noch abgelehnt) liegt bei 21,7 bis 27,4 %.[27]
3.3 Das Ende der Third-Party-Cookies
Der zunehmende "Signal Loss" durch den Wegfall von Drittanbieter-Cookies zwingt Publisher zum Aufbau robuster First-Party-Data-Architekturen.[29] Customer Data Platforms (CDPs), Zero-Party-Data-Strategien und alternative Identitätslösungen sind zur technologischen Überlebensfrage geworden.
Der "State of Digital Identity Report 2025" von ID5 belegt: 91 % der Marktteilnehmer haben bereits eine alternative Identitätslösung adoptiert oder planen dies kurzfristig.[30] 84 % investieren in Cross-Device-Tests, um fragmentierte IDs zu einem kohärenten Profil zu verschmelzen.[31] 51 % der Publisher arbeiten mit ID-Bridging-Partnern zusammen, um die Adressierbarkeit ihres Traffics künstlich aufrechtzuerhalten.[30]
Die Investitionskosten sind enorm — für CDPs, Zertifizierungen, technische Teams. Gerade für regionale Verlage ohne eigene adtech-Abteilung ein kaum stemmbarer Aufwand.
Sie brauchen keinen eigenen Tech-Stack
channelextension übernimmt die technologische Komplexität vollständig — von CDPs über Programmatic Yield bis zur Auslieferung. Ihr Vertrieb verkauft Kanäle zu Festpreisen, ohne sich mit ID-Bridging oder TCF-Zertifizierungen beschäftigen zu müssen.
4. Print: Die kontrollierte Degression
4.1 Die Softlanding-Strategie
Die "Trendumfrage 2026" des BDZV in Kooperation mit Highberg legt die Überlebensstrategie der Branche offen: 60 % der befragten Medienunternehmen erwarten das finale Ende der gedruckten Tageszeitung innerhalb der nächsten 15 Jahre.[36]
Die Strategie heißt "Softlanding": Printprodukte werden nicht abrupt eingestellt, sondern publizistisch hochgehalten — Erscheinungstage, Zustellqualität, redaktionelle Dichte.[36] Das Ziel: Die verbliebenen, hochprofitablen Print-Abonnenten so lange wie möglich binden und deren Einnahmen zur Quersubventionierung des Digitalen nutzen.
Gleichzeitig steigen die Kosten für physische Zustellung (Mindestlohn-Erhöhungen) sowie für Druck und Papier (Marktkonsolidierung bei UPM und Sappi) permanent.[36] Es ist ein heikler Balanceakt.
Das betriebswirtschaftliche Ziel: Den Kipppunkt erreichen, an dem allein die digitalen Umsätze die gesamten Fixkosten der Redaktion decken. Erste Verlage (NOZ/mh:n, Lensing) erreichen diesen Meilenstein bereits 2025.[38] 68 % der deutschen Verlage planen diesen Status bis ca. 2030.[38]
4.2 Peak Subscription — Grenzen von Paid Content
Der Paid-Content-Markt in Deutschland wächst auf eine jährliche Run Rate von fast 1,7 Milliarden Euro.[33] Zwei Drittel entfallen auf Tageszeitungen. Doch die Binnenstruktur offenbart Unterschiede: Bei regionalen Verlagen dominiert das E-Paper (nur 19 % echte Digital-Abos), während überregionale Titel erstmals mehr als die Hälfte ihrer Erlöse über Paywalls generieren.[33]
Das Problem: Der Markt stößt an natürliche Grenzen. 79 % der Nutzer weigern sich, für Nachrichten im Internet zu bezahlen.[35] Das Verhältnis kostenlos zu zahlend liegt konstant bei 4:1. Die Rekrutierung von Neukunden wird exponentiell teurer (steigende Customer Acquisition Costs). Selbst in den 20 am stärksten entwickelten Märkten weltweit zahlen nur 18–20 % für digitale Nachrichten.[5]
Werbebasierte Umsätze bleiben essenziell
Wenn 79 % nicht zahlen, bleibt Werbung der wichtigste Umsatzhebel. Mit einem erweiterten Kanal-Portfolio — von DOOH bis Audio — steigert Ihr Vertrieb den durchschnittlichen Umsatz pro Werbekunde, ohne von Paid Content abhängig zu sein.
5. Werbemarkt-Verschiebung — Wohin die Budgets fließen
Trotz aller Hürden bleibt der digitale Werbemarkt resilient. Laut OVK-Prognose 1/2026 steigt das Gesamtvolumen für Online-Display- und Videowerbung in Deutschland auf 8,2 Milliarden Euro (+8,7 % YoY).[39] Der Markt wächst — aber die Verteilung verschiebt sich dramatisch.
5.1 Das GAMA-Oligopol
Erstmals wird 2026 erwartet, dass mehr als die Hälfte aller Werbeeuros in Deutschland in geschlossene Plattformen fließen: 51,6 % werden von Google, Amazon, Meta und Apple absorbiert.[42] Diese Player bieten Agenturen unvergleichliche Skalierbarkeit, deterministische Login-Daten und KI-gestützte Einbuchungssysteme — womit das fragmentierte Inventar lokaler Zeitungsverlage qualitativ und operativ kaum konkurrieren kann.
5.2 Retail Media: Der neue Konkurrent
Eine der massivsten Budgetverschiebungen vollzieht sich zugunsten von Retail Media.[45] Markenvertreter verschieben Display-Budgets von Open-Web-DSPs hin zu Amazon, Otto und Zalando. Der Grund: unschlagbare Nähe zur finalen Kauftransaktion und überlegene Datenqualität.
Während ein Verlag wissen kann, dass ein Nutzer einen Artikel über Laufschuhe gelesen hat (probabilistisch), weiß Amazon zweifelsfrei, wann und für welchen Preis der Nutzer gestern Laufschuhe gekauft hat (deterministisch). Retail Media wächst mit einer CAGR von 10 % zwischen 2023 und 2028.[44]
5.3 TikTok & Social Commerce
TikTok verzeichnete 2025 in Deutschland 21,8 Millionen aktive Nutzer.[47] Global stiegen die Werbeumsätze 2024 auf 23 Milliarden USD, für 2026 werden 33–34,8 Milliarden USD prognostiziert.[46] Die Creator Economy wächst viermal schneller als die restliche Medienindustrie.[48] Mit Akzeptanzraten für Werbung von 38 % und über 15 Millionen Händlern weltweit stellt TikTok eine existenzielle Konkurrenz für das Display-Geschäft der Verlage dar.[46]
5.4 Video überholt Display
Innerhalb der Formatlandschaft markiert 2026 einen historischen Wendepunkt: Online-Video überholt erstmals klassisches Display als umsatzstärkste Gattung. Der OVK erwartet für Video knapp 4,2 Milliarden Euro (51 % Marktanteil), Display kommt auf 4,0 Milliarden Euro (49 %).[39] In-Stream Video Ads waren bereits 2023 mit 571 Mio. Euro das umsatzstärkste Format.[40]
| Branche | Brutto-Invest (Mio. €) | Online-Anteil |
|---|---|---|
| Dienstleistungen | 405 | 13 % |
| Handel | 388 | 10 % |
| Finanzen | 334 | 23 % |
| KFZ / Automotive | 277 | 20 % |
| Telekommunikation | 216 | 15 % |
Quelle: OVK Brutto-Werbeinvestitionen 2023. Der Finanzsektor weist mit 23 % die höchste Online-Affinität auf. [40]
Programmatic Advertising setzt seinen Siegeszug fort: 80 % des gesamten Werbeumsätzes — 6,5 Milliarden Euro — werden 2026 programmatisch abgewickelt.[39] Das traditionelle IO-Geschäft verharrt bei 1,7 Milliarden Euro. Hinzu kommt Online-Audio-Werbung, die auf über 140 Millionen Euro anwächst.[40]
Genau diese Hochformat-Kanäle stehen bereit
Video, Audio, DOOH, High Impact, Native — die wachsenden Segmente des Werbemarkts sind exakt die Kanäle, die channelextension Ihrem Vertrieb fertig konfiguriert zur Verfügung stellt. Zu Festpreisen, über eine Selfbooking-Plattform.
6. Regionale Stärke in Gefahr — Warum lokale Kunden abwandern
Regionale Verlagshäuser besitzen einen Wettbewerbsvorteil, den kein Tech-Konzern replizieren kann: die direkte, persönliche Beziehung zu lokalen Werbekunden. Der Vertrieb kennt die Unternehmen in der Region, versteht deren Bedürfnisse, ist auf Augenhöhe.
Doch dieser Vorteil erodiert, wenn der Vertrieb nur Print-Anzeigen und das eigene Online-Display-Inventar anbieten kann. Die Realität sieht so aus:
- Ein lokaler Automobilhändler fragt nach DOOH-Screens im Stadtgebiet — der Verlag kann nicht liefern, die Agentur übernimmt.
- Ein Finanzdienstleister will Podcast-Werbung in der Region — der Verlag hat kein Audio-Inventar, das Budget geht an einen Spezialanbieter.
- Ein Einzelhändler möchte eine kanalübergreifende Kampagne — Print + Online + Außenwerbung. Der Verlag kann nur zwei von drei. Der Mediaeinkäufer bündelt alles bei einem Anbieter, der alle drei kann.
Jeder dieser verlorenen Aufträge ist nicht nur ein einzelnes Budget weniger — es ist der Beginn einer Abwanderung. Wenn ein Werbekunde einmal mit einer Agentur oder einem überregionalen Anbieter zusammenarbeitet und gute Erfahrungen macht, kommt er selten zurück.
57 % der CEOs aus dem Mediensektor geben in Umfragen (PwC Global E&M Outlook 2025–2029) offen zu, dass ihr aktuelles Geschäftsmodell in zehn Jahren nicht mehr überlebensfähig sein wird.[51] Für regionale Verlage kann die Antwort nicht "mehr vom Gleichen" sein — sondern ein breiteres Angebot auf dem bestehenden Vertrauensfundament.
Ihr Vertrieb bleibt der One-Stop-Shop
Mit channelextension bietet Ihr Vertrieb DOOH, Audio, Display, Native, High Impact und Addressable TV aus einer Hand — zu Festpreisen. Der lokale Kunde hat keinen Grund mehr, woanders zu buchen. Die regionale Beziehung bleibt bei Ihnen.
7. Was Verlage jetzt tun können — Strategien bis 2028
7.1 Portfolio erweitern statt Reichweite jagen
Die entscheidende strategische Erkenntnis aus den Daten: Mehr Traffic ist nicht die Lösung. Suchmaschinen-Traffic erodiert strukturell, Social-Referrals brechen weg, AdBlocker vernichten ein Viertel des Display-Inventars. Der Weg zu stabileren Erlösen führt nicht über mehr Seitenaufrufe, sondern über ein breiteres Kanal-Portfolio pro Werbekunde.
Wenn ein Kunde statt nur Print und Online-Banner auch DOOH, Audio und High Impact bucht, steigt der durchschnittliche Auftragswert signifikant — unabhängig davon, ob der organische Traffic gerade steigt oder fällt.
7.2 Neue Kanäle ohne neues Know-how aufbauen
Programmatische Außenwerbung, Podcast-Vermarktung, Addressable TV — jeder dieser Kanäle erfordert spezialisiertes Know-how: Adtech-Infrastruktur, Einkaufsbeziehungen zu SSPs und DSPs, technisches Setup, Reporting. Den internen Aufbau dieser Kompetenzen können sich die wenigsten regionalen Verlage leisten. Es dauert Jahre und bindet Ressourcen, die in der Redaktion und im Vertrieb fehlen.
Die Alternative: Partnerschaft statt Eigenaufbau. Ein spezialisierter Partner übernimmt die technologische Komplexität, während der Verlag das tut, was er am besten kann — verkaufen und beraten.
7.3 Festpreise & Selfbooking als Vertriebshebel
Ein häufig unterschätzter Faktor: Programmatic Advertising mit durchaus volatilen TKPs, Real-Time-Bidding und komplexen Yield-Kurven ist für einen klassischen Medienberater im Verlag kaum kommunizierbar. Was der Vertrieb braucht, sind feste, kalkulierbare Preise — damit er einem Kunden innerhalb von Minuten ein verbindliches Angebot machen kann.
Selfbooking-Plattformen, die wie ein interner Online-Shop funktionieren, senken die Einstiegshürde für den Vertrieb massiv: Kanal wählen, Budget eingeben, Kampagne anlegen, buchen. Kein Programmatic-Verständnis nötig, kein DSP-Zugang erforderlich.
8. Fazit & Handlungsempfehlung
Der Strukturwandel im deutschen Verlagsgeschäft ist kein Zukunftsszenario — er ist die Gegenwart. Die Daten sind eindeutig:
prognostizierter Einbruch des Such-Traffics bis 2028 (Reuters Institute)
aller Desktop-Seitenaufrufe durch AdBlocker monetär wertlos (OVK/BVDW)
der Werbebudgets fließen 2026 an Google, Amazon, Meta, Apple
der Nutzer weigern sich, für Online-Nachrichten zu bezahlen
Verlage, die diesen Herausforderungen begegnen wollen, brauchen keine weitere Analyse. Sie brauchen konkrete Hebel, die heute funktionieren: neue Kanäle im Portfolio, die unabhängig von Google-Traffic und Cookie-Consent funktionieren. Feste Preise, die der Vertrieb sofort verkaufen kann. Und einen Partner, der die technologische Komplexität übernimmt.
Nächster Schritt
Bei diesen Herausforderungen können wir helfen.
Unsere Experten und die channelextension-Plattform unterstützen Verlagshäuser dabei, neue digitale Kanäle in den Vertrieb zu integrieren — DOOH, Audio, Display, Native, High Impact und Addressable TV. Zu Festpreisen, über eine Selfbooking-Plattform, mit persönlicher Begleitung.
Quellenverzeichnis
Alle Quellen wurden zuletzt am 31. März 2026 abgerufen.
- [1]AGOF – Zusammenschluss der führenden Online-Vermarkter in Deutschland. agof.de
- [2]AGOF veröffentlicht Digital-Report 2021. Deutscher Präventionstag. praeventionstag.de
- [3]AGOF daily digital facts: SPIEGEL ONLINE war die Nummer eins zur Bundestagswahl. gruppe.spiegel.de
- [4]IVW-Ausweisung. ivw-online.de
- [5]For the first time, social media overtakes TV as Americans' top news source. Nieman Lab. niemanlab.org
- [6]Google Discover is sending U.S. news publishers much more traffic. Nieman Lab. niemanlab.org
- [7]Reichweite mit Google Discover: Strategien für Medienhäuser. Retresco. retresco.de
- [8]Google Discover Ranking: Neue Insights für Publisher. Martin Bongartz. martinbongartz.de
- [9]German Findings of the Reuters Institute Digital News Report 2025. Leibniz-Institut für Medienforschung. leibniz-hbi.de
- [10]Reuters Institute Digital News Report 2025 – Findings for Germany. leibniz-hbi.de
- [11]Germany | Reuters Institute for the Study of Journalism. reutersinstitute.politics.ox.ac.uk
- [12]Top social media strategies in DACH: What actually works in 2025. E-Commerce Germany. ecommercegermany.com
- [13]Reuters Institute Digital News Report 2025 (PDF). reutersinstitute.politics.ox.ac.uk
- [14]Germany – News Creators & Influencers | Reuters Institute. reutersinstitute.politics.ox.ac.uk
- [15]Googles neue KI-Features: SEO-Auswirkungen, Traffic-Verluste, Gegenstrategien. Feller Systems. feller.systems
- [16]2025 Organic Traffic Crisis: Zero-Click & AI Impact Analysis Report. The Digital Bloom. thedigitalbloom.com
- [17]News publishers expect search traffic to fall by more than 40% in the next three years. Reuters Institute / University of Oxford. politics.ox.ac.uk
- [19]OVK veröffentlicht neue Adblocker-Rate. ovk.de
- [21]Ad Blocker Usage and Demographic Statistics in 2026. Backlinko. backlinko.com
- [22]Didomi sammelt 34 Mio. Euro für Expansion in DACH und USA. didomi.io
- [24]Usercentrics CMP is Google-certified for new publisher requirements (Pressemitteilung). usercentrics.com
- [25]EU Digital Markets Act (DMA) Compliance Report. Google. googleapis.com
- [27]Average consent rate in Europe | Didomi 2026 Data Privacy Benchmark. didomi.io
- [28]Zulässigkeit von Pur-Abo-Modellen für Webseiten. Taylor Wessing. taylorwessing.com
- [29]Strategien und Lösungsmöglichkeiten: First-Party-Data-Strategie. IDEAS/RePEc. ideas.repec.org
- [30]The State of Digital Identity™ Report 2025. ID5. id5.io
- [31]The State of Digital Identity™ 2025. ID5. id5.io
- [33]Paid Content wächst weiter deutlich – Umsätze bei fast 1,7 Milliarden Euro. BDZV. bdzv.de
- [35]OVK-Report für Digitale Werbung 2022/01. ovk.de
- [36]BDZV | Trendumfrage 2026: Die Digitalisierung geht in die kritische Phase. mvfp.de
- [38]Trends der Zeitungsbranche 2026 – BDZV / Highberg-Trendumfrage (PDF). bdzv.de
- [39]OVK-Prognose 1/2026: Digitaler Werbemarkt wächst auf über acht Milliarden Euro. BVDW. bvdw.org
- [40]OVK-Prognose 2024/01 (Slides). BVDW. bvdw.org
- [42]Werbemarktdaten. Die Mediaagenturen. diemediaagenturen.de
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- [45]Stand der Retail Media 2026 | Branchenbericht. Skai. skai.io
- [46]TikTok Ads statistics you need to know in 2026. Bind Media. bind.media
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- [48]TikTok Ads in 2026: The $37B Creator Economy Opportunity. ALM Corp. almcorp.com
- [51]Perspectives: Global E&M Outlook 2025–2029. PwC. pwc.com